Treffpunkt des Jazz in Europa – die vierte „jazzahead!“ in Bremen vom 24. bis 26. April 2009 

Wurde man noch nach der ersten Ausgabe der Jazzmesse in Bremen gefragt, warum es die eigentlich gebe und ob sie im nächsten Jahr stattfinden werde, stellt heute diese Frage niemand mehr.

231 Aussteller aus 18 Ländern waren gekommen, das European Jazz Network (EJN), Skandinavien, die Beneluxländer, Großbritannien, Katalonien, Ungarn, die Schweiz, Österreich, Frankreich, der Deutsche Musikrat und einige deutsche Regionen wie die Netzwerke jazzwerkruhr oder Jazz am Rhein hatten ihre Verbände und Veranstalter geschickt, Medien, Verlage, Musiker und Labels und Vertriebe schlossen sich an.

Ein umfangreiches Workshop- und Meetingprogramm bot dem Interessenten ein reichhaltiges Programm, Themen wie Marketing, Journalismus bis hin zu medizinischen Fragen wurden angeboten und reichlich genutzt von den über 2.000 Fachbesuchern.

Auch die Aussteller selbst boten Diskussionsrunden, so das JAZZDOR Festival mit einer Pressekonferenz zur der nächsten Ausgabe des Festivals in Berlin im Juni, die Schweizer Teilnehmer mit der Frage, was sich in der Schweiz im Jazz tut und wie man die Situation verbessern kann oder der Verein Jazz am Rhein e.V. mit einem Meeting zum Thema „Networking in Europe“.

Großen Wert hatten die Veranstalter auf Angebote für die Jugend gelegt, zum Beispiel mit einer Veranstaltung „Braucht Jazz Konzertvermittlung?Audience Development für junge Zuhörer“,. Jazz for Kids mit der Musikschule Bremen, einem Workshop Jazz meets Hip Hop und Präsentationen einiger Musikhochschulen.

Die Jazzmagazine waren präsent wie auch viele Labels, natürlich die Großen wie ECM, ACT, Enja, aber auch viele andere aus Deutschland und Europa oder Verbände wie Jazz & Worldpartners

Die Managements der Künstler und die Künstler selbst ließen keine Möglichkeit aus, ihre neuesten Projekte auf direkte und persönliche Art anzubieten.

Und der jazzahead!-Skoda-Award wurde an Norma Winstone, Klaus Gesing & Glauco Venier verliehen.

Natürlich gab es neben Gesprächen, Verhandlungen, Geschäftsabschlüssen und Diskussionsrunden auch viel Musik, morgens mit Hochschulensembles, nachmittags das European Jazz Meeting mit Bands aus Frankreich (Hélène Labarrière Quartet, Yaron Herman Trio, Frederica Stahl), Katalonien (Horacio Fumero & Albert Bover, Marc Aysa, Giulia Valle Group), Luxemburg (Pascal Schumacher Group, Maxime Bender Group, David Laborier) und Großbritannien (Brass Jaw, Huw Warren Trio, Arun Ghosh Sextet und Portico Quartet). Schon eine ziemlich spannende Sache, neue Projekte des europäischen Jazz so geballt präsentiert zu bekommen.

Das Abendprogramm in der Messe bewegte sich von großartigen jungen und meist schon sehr bekannten Gruppen wie Matthias Schriefls Shreefpunk, radio.string.quartet.vienna oder Octoposse hinzu den sog. großen Namen wie John Abercrombie oder Farmers Market aus Norwegen und dem in die Jahre gekommenen Joseph Bowie mit Defunkt. Natürlich war das Abendprogramm auch speziell für das Bremer Jazzpublikum gedacht.

Damit aber nicht genug. Auf Vorschlag von Ausstellern und ausgewählt von einer Jury ging es im benachbarten Schlachthof mit einem Late Night Programm noch bis weit nach Mitternacht, insgesamt drei Bands pro Nacht. Junge Bands wie La KaffeehausAvantgarde mit Kalle Kalima oder vor allem das begeistert aufgenommene Kölner Trio „Die Freundliche Übernahme mit Niels Klein, Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel zeigten, dass in der deutschen Szene viel positive Bewegung ist. Und die Gelegenheit, dies den Gästen aus aller Welt zu zeigen, auch außerhalb des alle zwei Jahre stattfindendenGerman Jazz Meeting, das in diesem Jahr Pause hatte, liess man sich natürlich nicht nehmen.

Der Gesprächs-, Musik- und Wanderstress wurde immer wieder auf angenehme Weise genommen, wenn die verschiedenen Aussteller ihre Empfänge gaben, so die Schweizer oder Österreicher, die Luxemburger beim Besuch ihrer Kulturministerin mit Champagner und einer Buffetschlacht oder die Briten einigen bekannte und wie immer guten Malt Whiskys.

 

Noch mehr verstärkt als in den letzten Jahren hat sich nicht nur das Gefühl, sondern die Gewissheit, dass die „jazzahead!“ zu einer Veranstaltung geworden ist, auf die europäische Jazzszene nicht mehr verzichten will. Man ist unter sich und trifft sich auf eine bisher nicht da gewesene Art, und zwar nicht als Anhängsel an andere Musikbranchen.

Wir warten auf die 5. Ausgabe vom 22. bis 25. April 2010 an gleicher Stelle!

 

 

Hans-Jürgen von Osterhausen